Deutsch lernen für eine Arbeitsstelle in
einem Stahlwerk
Viele Ausländer, die nach
Deutschland kommen und hier leben und arbeiten wollen, sehen
sich einer großen Hürde ausgesetzt: der Sprache. Nun, ist das
eigentlich kein Grund anzunehmen, dass man hier in Deutschland
den Besuchern abgeneigt wäre. Man hat sich in Deutschland
endlich zu der Erkenntnis durchgerungen, dass es ja wohl
irgendwo dazugehört die Sprache jenes Landes zu erlernen, in
dem man fortan leben möchte. In anderen Ländern ist es schon
seit Jahrzehnten Voraussetzung, dass man die Landessprache
nachweislich erlernen und beherrschen muss, wenn man dort
einwandern möchte. Aber in Deutschland hat man sich zu lange
darauf verlassen, dass die zugewanderten Ausländer von alleine
den Anspruch an sich stellen würden, richtig deutsch zu lernen.
Die Quittung für diese Blauäugigkeit besteht nun in einer
wachsenden Isolierung bestimmter Ethnien, die sich
ausschließlich mit ihren Landsleuten umgeben und ihre Sprache
sprechen. Manche Ausländer leben seit mehr als 10 Jahren hier
und sprechen so gut wie gar kein oder höchstens gebrochenes
Deutsch. Da kam unsere Regierung endlich mal auf die Idee, dass
so eine verbindliche Verpflichtung zum Erlernen der Sprache
keine verkehrte Sache wäre.
Jetzt sehen sich viele Zuwanderer einem Problem ausgesetzt: Sie
müssen deutsch lernen. Aber wie und wo?
An Volkshochschulen wird
Unterricht für Erwachsene gegeben. Dort können auch Ausländer
Deutschunterricht nehmen. Problematisch ist dabei jedoch
bisweilen der große Unterschied an Vorkenntnissen. So starten
manche Deutschkurse der VHS zum Teil mit Leuten, die erst seit
Kurzem in Deutschland leben und noch keinen Brocken deutsch
sprechen. Andernteils sitzen Leute in diesen Klassen, die schon
seit Jahren im Lande sind und ihre Deutschkenntnisse lediglich
verbessern müssen. Was aufmerksamen Lehrern der VHS nun immer
wieder auffällt, ist, dass jene, die erst seit Kurzem in
Deutschland leben, anfangs zwar deutlich benachteiligt sind,
aber im weiteren Verlauf des Unterrichts lernen besser deutsch
zu sprechen, als jene, die schon seit Jahren hier sind. Der
Grund dafür ist ein einfacher. Diejenigen, die schon seit Jahr
und Tag hier leben haben sich ein fehlerhaftes Deutsch
angewöhnt, dass ihnen nur schwer wieder abzugewöhnen ist. Wer
die Sprache jedoch von der Pike auf lernt, der wird sie jedoch
bald frei von Formfehlern beherrschen. Jene, die sich ein
fehlerhaftes Deutsch angewöhnt haben, sind das Ergebnis von
jahrelanger Ignoranz der Politik gegenüber der
Zuwanderer-Problematik. Doch fortan wird es in Deutschland auch
für den zuwandernden Stahlarbeiter ein Qualifikationsmerkmal
sein, dass er nicht nur Edelstahlrohre herstellen kann, sondern
dass er auch gewillt ist, unsere Sprache zu sprechen. Dann
kann er auch eine Anstellung in einem Stahlwerk finden und
sich, neben dem Herstellen von Rohrschellen, an Gesprächen mit seinen
neuen Arbeitskollegen erfreuen.
Allerdings wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die
Nebenwirkungen mangelhafter Integration zu schwinden beginnen.
Inwiefern man sich dem Problem der bereits bestehenden
Isolationen hierzulande widmen muss, ist auch noch nicht
endgültig geklärt. Denn noch immer leben hier viele Menschen,
die kaum oder gar nicht deutsch sprechen können.
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